[Rezension] Fischer, Franziska - Und irgendwo ich

Samstag, 15. April 2017

  
Quelle: Ink Rebels 

Franziska Fischer - Und irgendwo ich

 | ISBN: 978-3958-6928-55 | Seiten:
 280 | Erscheinungsdatum: 28. Februar 2017  | Verlag: Ink Rebels  | Format: Taschenbuch | Preis: 12,90€



Kurzbeschreibung

Alle paar Jahre beginnt für Lizzy ein neues Leben, wenn sie mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester in ein anderes Land zieht. Doch als ihre Familie in ein verlassenes Haus nach Deutschland übersiedelt, spürt Lizzy, dass dieses Mal etwas anders ist. Das Haus birgt ein Geheimnis. Und außerdem ist da noch Merlin, in den sie sich auf keinen Fall verlieben will. Eigentlich.

Quelle: Ink Rebels

Autor

Franziska Fischer wurde 1983 in Berlin geboren. Bereits während des Studiums (Literaturwissenschaft und Spanische Philologie) begann sie, als Lektorin zu arbeiten. 2013 publizierte sie ihren Debütroman "Das Meer, in dem ich schwimmen lernte", der einen Teil ihrer Reiseerfahrungen in Mexiko widerspiegelt. Sie ist Mitglied des im September 2016 gegründeten Autorenlabels INK REBELS (ink-rebels.de)
Quelle: Amazon

Meine Meinung

So etwas wie Heimat kennt Lizzy nicht. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester hat sie die ganze Welt bereist und bewohnt. Sobald es irgendwo schön wurde, zogen sie weiter. Aber in Deutschland soll es anders werden. Dies spürt Lizzy sofort. Denn das Haus, in das sie gezogen sind, birgt ein Geheimnis und Lizzy will diesem auf den Grund gehen. Hilfe bekommt sie dabei auch von Merlin, dem stillen Jungen aus ihrer Schule. Ihr beider Alltag kreuzt sich immer öfters und der Junge geht ihr immer tiefer unter die Haut. Dabei hat Lizzy gar nicht vor sich zu verlieben.

Kennt ihr das, wenn ihr Bücher liest und diese hinterher noch so sehr im Herzen sind, weil sie einfach schön sind?
"Und irgendwo ich" ist so ein Buch. Eine Geschichte, die voller Sehnsucht, voller Wärme und mit viel Gefühl daherkommt. Ich bin förmlich versunken in dieses Buch und wollte gar nicht so schnell wieder auftauchen.

Lizzys Leben war bisher wenig von Heimatgefühl geprägt. Obwohl sie mit ihren 16 Jahren schon viel herumgekommen ist, konnte sie nie so richtig Wurzeln schlagen. Zwar kann sie überall schnell Freundschaften schließen, aber diese sind meist nur so lange da, bis sie und ihre Familie wieder weitergezogen sind. Geprägt von Oberflächlichkeiten fällt es ihr schwer, Merlin an sich heranzulassen. Dieser stille Junge, der schnell spürt, was hinter Lizzys Wesen steckt, ist so ganz anders, als die üblichen "Boyfriends" in den Büchern. Kein Macho, aber kein Weichei. Sehr sensibel und geduldig, aber auch mit dem nötigen Mut für sich einzustehen. Beide Charaktere sind so präsent und stark in ihren Eigenschaften.

Wir wandern gemeinsam mit Lizzys Gedanken durch das Buch und spüren wie behutsam die Autorin ihre Geschichte aufbaut ohne jemals Langeweile zu erzeugen. Ein Buch braucht nicht viel Tempo, das merkt man hier. Gemächlich und mit poetischen Schreibstil wird man "mitgerissen" und am Ende merkt man erst wie tief man eigentlich in die Handlung versunken war.

Diese Geschichte kommt ohne viel Drama, Schnelligkeit und Kinderkram aus. Lizzy "leidet" still und denkt viel nach. Sie ist wenig impulsiv und das alles macht dieses Buch zu etwas besonderen. Den gerade die Stillen sind es wert gehört zu bzw. gelesen zu werden.

"In letzter Zeit fühlt sich mein Leben so an, als hätte es gar nicht mit mir zu tun. Als wäre ich nur die Vertretung für jemand anderen, und niemand hat mir eine Einweisung gegeben oder einen Hinweis darauf, wie lange ich den Posten halten soll, bis diejenige, in deren Alltag ich gelandet bin zurückkehrt." (Seite 243)

Die Autorin konnte mich mit ihrem dritten Buch absolut begeistern. Ihre Protagonistin macht eine Entwicklung durch, die nachvollziehbar war und hat am Ende etwas gefunden, wonach sie vielleicht ihr Leben lang gesucht hat.

"Manchmal sieht man sich nur an, ohne sich zu bewegen. Man atmet dieselbe Luft und liest die Geschichten und Gedanken und Sehnsüchte in den Augen des anderen. Man lächelt sich an, mit einem Lächeln, das durch den ganzen Körper rieselt. Und dann wird auf einmal alles ganz leicht. Als würde man nach Hause kommen." (Seite 261)

Fazit

Eine Protagonistin, die mir ans Herz gewachsen ist, eine Geschichte, die ins Selbige geht und ein wunderschöner Schreibstil so leicht und so poetisch, dass man völlig ins Buch versinkt. Das alles macht dieses Werk zu etwas Besonderem. So leise wie die Charaktere ist dieses InkRebels-Debüt von Franziska Fischer, aber so toll, dass es laut in die Welt verbreitet werden muss. Ein ganz tolles Werk, welches ich euch allen da draußen nur empfehlen mag.




Kommentare:

  1. Huhu!

    Eine tolle Rezension, das Buch klingt einfach wunderbar! Auch der Schreibstil der Zitate spricht mich direkt an. :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Caro,

    ich war mir erst nicht sicher, ob das Buch was für mich wäre, aber deine Rezension hat mich nun doch überzeugt und für das Buch vereinnahmt. Es scheint kein Jugendbuch mit kitschiger Liebesgeschichte zu sein. Denn dann wäre es nichts für mich. Ein Buch mit leisen tönen aber umso intensiver im Gefühl und Bucherlebnis, ist dann schon ein anderes "Kalieber". Freue mich, dass ich über deine Buchbesprechung gestolpert bin.

    GlG vom monerl

    PS.: Kannst du mir vielleicht sagen, wie man in seinem Kommentar so schön etwas verlinkt, wie Mikka das oben mit ihrem Kreuzfahrt-Beitrag gemacht hat?! Das wäre echt klasse, wenn du das wüsstest! :-)

    AntwortenLöschen